Futures analysieren: CoT-Report, Terminstruktur und implizite Volatilität

Bei Futures gibt es neben dem Kurs weitere Informationen über das Marktumfeld: die Positionierung grosser Marktteilnehmer, die Preise verschiedener Verfallsmonate und die implizite Volatilität der Optionen. Dieser Ratgeber erklärt, wie sich CoT-Daten, Terminstruktur, Open Interest und Volatilitätskennzahlen gemeinsam lesen lassen.

Lesezeit 12 Minuten · Stand: Oktober 2026

Anders als Aktien haben Futures einen festen Verfallstermin. Für denselben Basiswert werden gleichzeitig Kontrakte mit unterschiedlichen Laufzeiten gehandelt, deren Preise voneinander abweichen können. Hinzu kommt eine Besonderheit: Die US-Aufsichtsbehörde CFTC veröffentlicht wöchentlich Daten darüber, wie verschiedene Händlergruppen an den erfassten Futures-Märkten positioniert sind.

Für die Analyse von Futures sind deshalb neben der Kursentwicklung weitere Kennzahlen interessant. Der CoT-Report zeigt die Positionierung grosser Marktteilnehmer. Die Terminstruktur macht Preisunterschiede zwischen verschiedenen Verfallsterminen sichtbar. Der IV Rank zeigt, ob die aktuell eingepreiste Volatilität im historischen Vergleich hoch oder niedrig ist.

Gemeinsam helfen diese Kennzahlen, das Marktumfeld besser einzuordnen und Entwicklungen über verschiedene Futures-Märkte hinweg zu vergleichen, von Rohöl und Gold bis zu Aktienindizes und Währungen. Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Zusammenhänge und zeigt, wie Foliograph diese Informationen in einem Dashboard zusammenführt.

Warum Futures eigene Kennzahlen brauchen

Da Futures verfallen, muss für längerfristige Kursanalysen regelmässig vom auslaufenden Kontrakt, dem Front Month, auf einen späteren gewechselt werden. Durch die Verknüpfung dieser Kontrakte entsteht ein Continuous Future, der eine fortlaufende Kurshistorie ermöglicht.

Futures-Märkte unterscheiden sich zudem erheblich. Rohöl, Gold, Weizen, Währungen und Anleihen haben unterschiedliche Kontraktgrössen, Handelszeiten und saisonale Eigenschaften. Um diese Märkte miteinander vergleichen zu können, sind Kennzahlen hilfreich, die unabhängig vom absoluten Preisniveau eine einheitliche Einordnung ermöglichen.

Vier Bereiche stehen dabei im Mittelpunkt:

  • Positionierung: Der CoT-Report zeigt, wie verschiedene Händlergruppen positioniert sind und wie sich ihre Positionierung im historischen Vergleich verändert.
  • Terminstruktur: Die Preise verschiedener Verfallsmonate zeigen, ob sich ein Markt in Contango oder Backwardation befindet.
  • Volatilität: IV Rank und IV-Perzentil ordnen die in den Futures-Optionen eingepreiste Schwankungsbreite historisch ein.
  • Trend: Der EMA21 zeigt die Trendlage auf Tages- und Wochenbasis und wie lange diese bereits besteht.

CoT-Report: Wie die Marktteilnehmer positioniert sind

Die US-Aufsichtsbehörde CFTC veröffentlicht jeden Freitag den Commitments of Traders Report (CoT). Er zeigt, wie verschiedene Händlergruppen am vergangenen Dienstag an den erfassten Futures-Märkten positioniert waren.

Der sogenannte Legacy-Bericht unterscheidet drei Händlergruppen:

  • Commercials: Unternehmen, die Futures beispielsweise zur Absicherung ihres Geschäfts einsetzen, etwa Ölproduzenten oder Getreidehändler.
  • Non-Commercials (Large Specs): Andere grosse Marktteilnehmer, darunter Investmentfonds und spekulativ ausgerichtete Händler.
  • Non-Reportables (Small Traders): Kleinere, nicht einzeln meldepflichtige Positionen, die von der CFTC rechnerisch zusammengefasst werden.

Da jedem Long-Kontrakt eine Short-Position gegenübersteht, gleichen sich die Nettopositionen aller Gruppen aus. Veränderungen zeigen somit, wie sich die Positionierung zwischen den Marktteilnehmern verschiebt.

Der CoT-Report erscheint wöchentlich und mit drei Tagen Verzögerung. Er bietet deshalb einen Einblick in die Positionierung, aber keine Echtzeitdaten. Erfasst werden Futures an den entsprechenden US-Börsen, darunter auch Währungs-Futures auf den Euro oder Schweizer Franken. Für den Euro-Bund an der Eurex gibt es hingegen keinen entsprechenden CFTC-Bericht.

CoT-Positionierung historisch vergleichen

Eine Nettoposition von beispielsweise -150'000 Kontrakten ist ohne Vergleich schwer einzuordnen. Commercials sind in vielen Rohstoffmärkten dauerhaft netto short, weil sie ihre Produktion absichern.

Der CoT-Index macht diese Positionierung vergleichbar. Er zeigt auf einer Skala von 0 bis 100, wo die aktuelle Nettoposition innerhalb ihrer historischen Spanne liegt.

Ein Wert von 90 bedeutet beispielsweise, dass sich die Positionierung nahe ihrem höchsten Stand des betrachteten Zeitraums befindet. Das heisst nicht zwangsläufig, dass die Händler netto long sind: Sie können weiterhin netto short sein, allerdings weniger stark als sonst im betrachteten Zeitraum. Werte nahe 0 kennzeichnen entsprechend eine Positionierung nahe dem historischen Tief.

Je nach gewähltem Zeitraum, beispielsweise 26 oder 156 Wochen, können diese Werte unterschiedlich ausfallen. Der CoT-Index zeigt damit ungewöhnliche Positionierungen, sagt für sich allein aber nichts über die künftige Kursrichtung aus.

Ergänzend zeigt das Open Interest die Anzahl offener Kontrakte. Die Open-Interest-Lage ordnet diesen Wert innerhalb der letzten drei Jahre ebenfalls auf einer Skala von 0 bis 100 ein. Hohe Werte zeigen, dass vergleichsweise viele Kontrakte offen sind, lassen allein jedoch keine Rückschlüsse auf die künftige Kursrichtung oder die tatsächliche Liquidität zu.

Terminstruktur: Contango und Backwardation

Die Terminstruktur zeigt die Preise eines Futures für verschiedene Verfallsmonate. Steigen die Preise mit zunehmender Laufzeit, spricht man von Contango. Liegen die längerfristigen Kontrakte dagegen tiefer, befindet sich der Markt in Backwardation. Beeinflusst wird die Kurvenform unter anderem durch Lager- und Finanzierungskosten, Angebot und Nachfrage sowie saisonale Faktoren.

Besonders bei Rohstoffen können saisonale Unterschiede eine wichtige Rolle spielen. Beispielsweise können sich die Erdgaspreise für Winter- und Sommermonate deutlich unterscheiden. Deshalb lohnt es sich, nicht nur die nächsten beiden Kontrakte, sondern die gesamte Terminkurve zu betrachten.

Die Kurvenform beeinflusst auch die Entwicklung längerfristig gehaltener Futures-Positionen. In Contango entsteht für Long-Positionen bei ansonsten unveränderter Kurve ein negativer Rolleffekt (Roll Yield), während Backwardation einen positiven Rolleffekt begünstigt. Dieser Effekt entsteht nicht durch den Kontraktwechsel selbst, sondern durch die Preisentwicklung der Futures entlang der Kurve. Er kann die langfristige Rendite erheblich beeinflussen.

Implizite Volatilität bei Futures-Optionen

Die implizite Volatilität zeigt, welche zukünftigen Kursschwankungen in den Optionspreisen eingepreist sind. Mit dem IV Rank und dem IV-Perzentil lässt sich beurteilen, ob die aktuelle Volatilität im Vergleich zu den vergangenen 52 Wochen hoch oder niedrig ist.

Bei Futures ist dabei besonders wichtig, welcher Kontrakt betrachtet wird. Da verschiedene Verfallsmonate eigene Optionsketten besitzen, können sich ihre Volatilitätswerte unterscheiden. Für eine vergleichbare Historie wird deshalb häufig ein Kontrakt mit einer festgelegten Mindestrestlaufzeit ausgewählt. Zusätzlich können ungewöhnliche Datenausreisser die Berechnung beeinflussen.

IV Rank und IV-Perzentil ermöglichen den Vergleich verschiedener Märkte auf einer einheitlichen Skala. Ein IV Rank von 70 bei Kakao und 15 bei Gold bedeutet beispielsweise, dass die implizite Volatilität bei Kakao näher an ihrem eigenen Jahreshoch liegt als bei Gold. Ob die Optionen deshalb tatsächlich teuer oder günstig bewertet sind, lässt sich daraus allein nicht ableiten.

Trend über den fortlaufenden Kontrakt

Für die Beurteilung der Trendlage dient der EMA21. Er zeigt, ob ein Future über oder unter seinem gleitenden Durchschnitt der letzten 21 Perioden notiert. Die Anzahl aufeinanderfolgender Tage oder Wochen oberhalb beziehungsweise unterhalb dieses Durchschnitts (Streak) macht sichtbar, wie lange dieser Zustand bereits anhält. Für die Berechnung wird ein fortlaufender Futures-Kontrakt verwendet, der die Kursentwicklung über mehrere Verfallsmonate hinweg abbildet.

Der Vergleich verschiedener Futures-Märkte zeigt, ob sich ähnliche Trends innerhalb einzelner Marktgruppen entwickeln. Notieren beispielsweise Metalle überwiegend über ihrem EMA21, während Agrarrohstoffe darunterliegen, werden unterschiedliche Entwicklungen der beiden Bereiche sichtbar.

Besonders aufschlussreich ist die gemeinsame Betrachtung mit dem CoT-Index und der Terminstruktur. Ein Rohstoff kann beispielsweise seit Wochen über seinem EMA21 notieren, während die Positionierung der Commercials nahe ihrem historischen Tief liegt und die Terminkurve Backwardation zeigt. Jede Kennzahl liefert eine andere Perspektive und hilft, das Marktumfeld umfassender einzuordnen.

Häufige Fragen

Wann wird der CoT-Report veröffentlicht?

Die CFTC veröffentlicht den CoT-Report normalerweise am Freitag mit den Positionen vom Dienstag derselben Woche. An US-Feiertagen kann sich die Veröffentlichung verschieben. Foliograph prüft regelmässig, ob neue Daten verfügbar sind, und übernimmt diese automatisch.

Warum verwendet Foliograph die Commercials für den CoT-Index?

Commercials umfassen Marktteilnehmer, die Futures häufig zur Absicherung ihres Geschäfts einsetzen, beispielsweise Rohstoffproduzenten. Foliograph vergleicht ihre aktuelle Nettoposition mit der historischen Entwicklung und macht so Veränderungen sichtbar. Die Positionen von Large Specs und Small Traders lassen sich zusätzlich im CoT-Diagramm betrachten.

Warum zeigt der Euro-Bund keine CoT-Daten?

Die CFTC erfasst meldepflichtige Futures-Positionen an den entsprechenden US-Börsen. Der Euro-Bund wird an der europäischen Eurex gehandelt und ist deshalb nicht im CoT-Report enthalten. Kursdaten, Terminstruktur und implizite Volatilität sind in Foliograph weiterhin verfügbar. CoT-Index und Open-Interest-Lage bleiben leer, weil Foliograph beide aus den CFTC-Daten berechnet.

Warum unterscheidet sich der IV Rank von der Anzeige in der TWS?

Foliograph verwendet die historische implizite Volatilität des ersten Futures-Kontrakts mit mindestens zehn Tagen Restlaufzeit. Die Berechnung berücksichtigt die Tageshöchst- und Tagestiefstwerte eines Jahres und filtert auffällige Datenausreisser. Andere Plattformen können abweichende Kontrakte, Zeiträume oder Berechnungsmethoden verwenden. Deshalb können sich die angezeigten Werte unterscheiden.

Welche Marktdaten-Abonnemente benötige ich?

Für Live-Kurse und Optionsvolatilitäten benötigst du die entsprechenden Marktdaten-Abonnemente bei Interactive Brokers, beispielsweise für CME, CBOT, NYMEX, COMEX, ICE US oder Eurex. Ohne passende Abonnemente sind je nach Börse nur verzögerte oder keine Daten verfügbar. Foliograph zeigt den jeweiligen Datenstatus direkt im Futures-Dashboard an. Die CoT-Daten sind kostenlos verfügbar.

Was bedeutet Backwardation bei Rohstoffen?

Backwardation liegt vor, wenn kurzfristige Futures-Kontrakte höher notieren als längerfristige. Das kann beispielsweise bei einer knappen kurzfristigen Versorgung auftreten. Bei saisonalen Rohstoffen wie Erdgas oder Getreide können auch nur einzelne Abschnitte der Terminkurve in Backwardation liegen.

Was bedeutet ein CoT-Index von 90, wenn die Commercials netto short sind?

Ein CoT-Index von 90 bedeutet, dass die Nettoposition der Commercials nahe ihrem höchsten Stand im betrachteten Zeitraum liegt. Sie können also weiterhin netto short sein, allerdings weniger stark als sonst im betrachteten Zeitraum. Der CoT-Index zeigt die historische Einordnung, die Nettopositionen selbst sind im CoT-Diagramm ersichtlich.

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