Berechnung und Mechanik
Optionspreismodelle wie Black-Scholes rechnen aus Kurs, Strike, Restlaufzeit, Zins und Volatilität einen Optionspreis. Die implizite Volatilität dreht die Rechnung um: Der Marktpreis der Option ist gegeben, gesucht ist die Volatilität, die diesen Preis ergibt. Sie ist damit keine Messung vergangener Kursbewegungen, sondern der Preis, den Käufer und Verkäufer heute für künftige Schwankung zahlen.
Die IV unterscheidet sich je Strike und Verfall. Datenanbieter verdichten die Optionskette deshalb zu einer Kennzahl, meist der am Geld interpolierten IV mit 30 Tagen Restlaufzeit. Ein Wert von 20% bedeutet, dass der Markt für ein Jahr eine Standardabweichung von 20% des Kurses einpreist, für 30 Tage entsprechend rund 5.7%.
IV 30 Tage = IV Jahr x Wurzel(30/365)
Abgrenzung
Die Historische Volatilität misst, wie stark der Kurs in einem vergangenen Fenster tatsächlich geschwankt hat. Die implizite Volatilität ist eine Erwartung, die historische eine Beobachtung. Das Verhältnis der beiden ist das IV/HV-Verhältnis.
Ob eine IV von 25% für einen bestimmten Basiswert hoch oder tief ist, sagt die Zahl allein nicht. Dafür setzen IV Rank und IV-Perzentil den aktuellen Wert in Bezug zu seiner eigenen Spanne der letzten 52 Wochen.
Verwandte Begriffe
- Historische Volatilität (Realisierte Volatilität, Historical Volatility, HV)
- IV/HV-Verhältnis (IV/HV, IV-HV-Ratio)
- IV Rank (IVR)
- IV-Perzentil (IV Percentile, IVP)
- Expected Move (Erwartete Bewegung, EM)
- VIX (CBOE Volatility Index)
Alle Markt- und Analysedaten dienen ausschliesslich Bildungs- und Analysezwecken und stellen keine Anlageberatung oder Handelsempfehlung dar.