Berechnung und Mechanik
Aus der Implizite Volatilität ergibt sich der Expected Move über die Wurzel-Zeit-Regel: Die annualisierte Volatilität wird mit der Wurzel aus dem Anteil des Jahres multipliziert, den der betrachtete Zeitraum ausmacht. Bei einem Kurs von 100 USD und einer IV von 25% beträgt der Expected Move über 30 Kalendertage rund 7.2%, also ungefähr 92.8 bis 107.2 USD.
Eine alternative Näherung lässt sich direkt aus den Optionspreisen ableiten. Der Preis eines Straddles am Geld spiegelt die vom Optionsmarkt bepreiste absolute Bewegung bis zum Verfall wider. Diese Straddle-Bewegung ist nicht identisch mit einer Standardabweichung: Unter vereinfachenden Annahmen entspricht die erwartete absolute Bewegung bei normalverteilten Renditen rund 80% einer Standardabweichung. Dieser Ansatz verwendet aktuelle Optionspreise statt der IV-Formel, bleibt aber ebenfalls eine Näherung.
EM = Kurs x IV x Wurzel(Tage / 365)
Abgrenzung
Eine Standardabweichung ist keine Kursgrenze. Unter der Normalverteilungsannahme liegen rund 32% der Ergebnisse ausserhalb der Spanne von plus/minus einer Standardabweichung. Tatsächliche Renditen können zudem von dieser Modellannahme abweichen und insbesondere stärkere Ausschläge zeigen.
Die IV-Termstruktur zeigt, dass die implizite Volatilität je nach Verfall unterschiedlich sein kann. Ein Expected Move über 90 Tage kann deshalb auf einer anderen IV basieren als einer über 30 Tage. Der SKEW-Index zeigt ergänzend, wie der Optionsmarkt beim S&P 500 asymmetrisches Tail-Risiko bepreist.
Verwandte Begriffe
- Implizite Volatilität (Implied Volatility, IV)
- Straddle am Geld (ATM Straddle)
- IV-Termstruktur (Volatility Term Structure, IV Term Structure)
- SKEW-Index (CBOE SKEW, Tail-Risk-Index)
- DTE (Days to Expiry, Tage bis Verfall)
Alle Markt- und Analysedaten dienen ausschliesslich Bildungs- und Analysezwecken und stellen keine Anlageberatung oder Handelsempfehlung dar.